Recht­zei­tig zur Urlaubs­zeit ver­öf­fent­lich­te der Digi­tal­ver­band Bit­kom Anfang August die Ergeb­nis­se einer reprä­sen­ta­ti­ven Umfra­ge, wonach 84 Pro­zent der über 16jährigen im Urlaub digi­ta­le Fotos erstel­len. Mehr als die Hälf­te die­ser Per­so­nen teilt die Foto­gra­fien anschlie­ßend über sozia­le Netz­wer­ke wie Face­book und Insta­gram. Wie sind Urlaubs­fo­tos aus Sicht des Daten­schut­zes zu beur­tei­len? Ver­hin­dert der Daten­schutz die Erin­ne­rung an die »schöns­te Zeit des Jah­res«?

 

Unsi­cher­heit besteht den­noch, da die Ver­öf­fent­li­chung von Urlaubs­fo­to­gra­fien regel­mä­ßig auf den Rechts­grund des berech­tig­ten Inter­es­ses des Foto­gra­fen zu stüt­zen sein wird, und in die­sen Fäl­len ein Beurteilungs- und damit Irr­tums­ri­si­ko ver­blie­ben.” – Mat­thi­as Her­kert

In einer Pres­se­mit­tei­lung von Anfang August 2019 infor­miert der Bun­des­ver­band Infor­ma­ti­ons­wirt­schaft, Tele­kom­mu­ni­ka­ti­on und neue Medi­en e.V. (Bit­kom), das sich der Trend zur Digi­ta­len Urlaubs­fo­to­gra­fie unge­bro­chen wei­ter ent­wi­ckelt (HIER geht es zum Bitkom-Pressetext). 8 von 10 Urlau­bern machen im Urlaub digi­ta­le Bil­der. Der völ­lig über­wie­gen­de Teil hier­von dürf­te mit Smart­pho­nes und ver­gleich­ba­ren digi­ta­len Multifunktions-Devices erstellt wer­den.

Fotografien sind personenbezogene Daten

Per­so­nen­be­zo­ge­ne Daten im Sin­ne der DSGVO sind alle Infor­ma­tio­nen, die sich auf eine iden­ti­fi­zier­te oder iden­ti­fi­zier­ba­re natür­li­che Per­son bezie­hen. Dabei muss die Per­son nicht für jeden Betrach­ter iden­ti­fi­zier­bar sein, es reicht aus, dass (theo­re­tisch) ein­zel­ne Betrach­ter die abge­bil­de­te Per­son iden­ti­fi­zie­ren kön­nen. Und auch die Meta­da­ten, die regel­mä­ßig von den digi­ta­len Gerä­ten der Foto­gra­fie zuge­ord­net wer­den, stel­len in die­sem Sinn per­so­nen­be­zo­ge­ne Daten dar (z.B. Datum und Uhr­zeit der Auf­nah­me, Geo-Informationen in den EXIF- und/oder IPIC-Dateien).

Das »Haushaltsprivileg« erlaubt Urlaubsfotos für den privaten Gebrauch

Eine ers­te »Ent­war­nung« bei der Über­le­gung, ob nun auch im Urlaub immer mit einem Auge auf den Daten­schutz zu schau­en ist, fin­det sich im »Haus­halts­pri­vi­leg« des Arti­kel 2 Abs. 2 lit. c DSGVO. Bei Foto­gra­fien, die durch natür­li­che Per­so­nen zur Aus­übung aus­schließ­lich per­sön­li­cher oder fami­liä­rer Tätig­kei­ten ange­fer­tigt wer­den, fin­det die Euro­päi­sche Daten­schutz­grund­ver­ord­nung soweit kei­ne Anwen­dung. Fotos der Fami­lie bei einer Berg­wan­de­rung, vor einer Sehens­wür­dig­keit oder im Restau­rant sind in die­sen Fäl­len über das all­ge­mei­ne Per­sön­lich­keits­recht der abge­bil­de­ten Per­so­nen (Art. 2 I i.V.m. Art. 1 I GG) zu beur­tei­len und nicht über die DSGVO. Für den aus­schließ­lich pri­va­ten Gebrauch z.B. in Foto­bü­chern dür­fen ande­re Per­so­nen im All­ge­mei­nen soweit auch ohne deren aus­drück­li­che Ein­wil­li­gung foto­gra­fiert wer­den, solan­ge die Per­son nicht erkenn­bar Wider­spricht.

Bei der Veröffentlichung in Sozialen Medien endet das Haushaltsprivileg

Die Unter­su­chung des Digi­tal­ver­ban­des Bit­kom erbrach­te, dass 45 Pro­zent der Befrag­ten ihre digi­ta­len Urlaubs­fo­tos in sozia­len Netz­wer­ken zei­gen, 61 Pro­zent tei­len ihre Bil­der über Messenger-Dienste. In die­sen Fäl­len wird der Bereich der »Aus­übung aus­schließ­lich per­sön­li­cher oder fami­liä­rer Tätig­kei­ten« in den wohl meis­ten Fäl­len ver­las­sen. Den obwohl Erwä­gungs­grund 18 S. 2 DSGVO auch die Nut­zung sozia­ler Net­ze als mög­li­cher­wei­se per­sön­li­che oder fami­liä­re Tätig­kei­ten unter das Haus­halts­pri­vi­leg klas­si­fi­ziert, endet die­se Pri­vi­le­gie­rung dann, wenn in Sozia­len Netz­wer­ken, Messenger-Diensten und ähn­li­chen Platt­for­men ein Aus­tausch der Urlaubs­fo­to­gra­fien nicht nur in geschlos­se­ne Grup­pen zwi­schen Fami­li­en­an­ge­hö­ri­gen oder engs­ten Freun­den statt­fin­det son­dern eine poten­ti­ell unbe­grenz­te Öffent­lich­keit die Foto­gra­fien zur Kennt­nis neh­men kann. Und auch wenn der Lan­des­be­auf­trag­te für den Daten­schutz und die Infor­ma­ti­ons­frei­heit in Baden-Württemberg in sei­nen jüngst ver­öf­fent­lich­ten FAQs »Foto­gra­fie­ren und Daten­schutz — Wir sind im Bild!« (HIER geht’s zum Bei­trag des LfDI BW) die Haus­halts­aus­nah­me in einem wei­te­ren Ansatz »in einer durch Nut­zer­na­men und Pass­wort geschütz­ten Grup­pe oder einem geschlos­se­nen Forum« wohl grund­sätz­lich gel­ten las­sen will, wird die­ser Ansatz bis­lang kei­nes­falls von allen Lan­des­da­ten­schutz­auf­sich­ten geteilt.

In die­sen Fäl­len muss daher auch der »Urlaubs­fo­to­graf« die Vor­ga­ben der DSGVO beach­ten, für die Ver­ar­bei­tung und Ver­öf­fent­li­chung der Urlaubs­fo­tos muss ein Rechts­grund gefun­den wer­den.

Da die Ein­ho­lung einer Ein­wil­li­gung aller (zufäl­lig) abge­bil­de­ten Per­so­nen im Sin­ne des Arti­kel 6 Abs. 1 lit. a DSGVO prak­tisch nicht erreich­bar ist, kann hier regel­mä­ßig nur das berech­tig­te Inter­es­se des Foto­gra­fen an der Ver­öf­fent­li­chung sei­ner Foto­gra­fien im Sin­ne des Arti­kel 6 Abs. 1 lit. f DSGVO in Betracht kom­men.

Ein »berechtigtes Interesse« des Urlaubsfotografen ist im Regelfall gegeben

Über das berech­tig­te Inter­es­se des Foto­gra­fen darf ein Foto dann ver­öf­fent­licht wer­den, wenn der Ver­öf­fent­li­chung kei­ne schutz­wür­di­gen Inter­es­sen der Betrof­fe­nen ent­ge­gen­ste­hen und die abge­bil­de­ten Per­so­nen ver­nünf­ti­ger­wei­se abse­hen konn­ten, dass das Urlaubs­fo­to für eine Ver­öf­fent­li­chung vor­ge­se­hen ist.
Der Ham­bur­gi­sche Beauf­trag­te für Daten­schutz und Infor­ma­ti­ons­si­cher­heit hat in die­sem Kon­text bereits im März 2018 fest­ge­stellt, dass Foto­gra­fien einer gro­ßen Anzahl von Per­so­nen, ins­be­son­de­re im öffent­li­chen Raum, im Regel­fall dem Kunst­be­griff unter­fie­len und daher »wohl nach Art. 6 Abs. 1 lit. f DSGVO gerecht­fer­tigt wer­den« kön­nen (HIER geht es zum Doku­ment des Ham­bur­gi­schen Beauf­trag­te für Daten­schutz und Infor­ma­ti­ons­si­cher­heit. Schutz­wür­de Inter­es­sen der Betrof­fe­nen stün­den der Ver­öf­fent­li­chung regel­mä­ßig nicht ent­ge­gen, »ins­be­son­de­re da die­se nur in ihrer Sozi­al­sphä­re betrof­fen sind«.
Dabei ist die­se Aus­sa­ge kei­nes­falls als »Frei­fahr­schein« zu lesen. Unter ande­rem in Situa­tio­nen, in denen (auch) Kin­der foto­gra­fie­ren wer­den, in denen die Foto­auf­nah­me ver­deckt oder heim­lich erfolgt oder in denen sich Per­so­nen unbe­ob­ach­tet füh­len wie das im Urlaub beim son­nen­ba­den an einem Nord­see­strand genau­so der Fall sein mag wie bei einer Erfri­schung in einem Bier­gar­ten an der Spree oder der Isar, wer­den regel­mä­ßig die Inter­es­sen der abge­bil­de­ten Per­so­nen einer Ver­öf­fent­li­chung ent­ge­gen­ste­hen. In die­sen Fäl­len schei­det das berech­tig­te Inter­es­se des Foto­gra­fen als Rechts­grund­la­ge der Ver­öf­fent­li­chung aus und dem Urlau­ber bleibt in der Pra­xis wohl nur der Ver­zicht auf eine Nut­zung des Bil­des in sozia­len Netz­wer­ken.

Fazit

Die Datenschutz-Grundverordnung steht dem Fami­li­en­al­bum nicht im Wege. Auch in der »klas­si­schen Urlaubs­fo­to­gra­fie«, in der häu­fig eine sehr gro­ße Anzahl von Men­schen vor Sehens­wür­dig­kei­ten oder in Städ­ten auf­ge­nom­men wird, oder bei der Men­schen als Bei­werk ande­rer Moti­ve wie etwa Denk­mä­lern erschei­nen, kön­nen Urlaubs­fo­to­gra­fien wei­ter­hin ihrem Hob­by nach­ge­hen.

Unsi­cher­heit besteht den­noch, da die Ver­öf­fent­li­chung von Urlaubs­fo­to­gra­fien regel­mä­ßig auf den Rechts­grund des berech­tig­ten Inter­es­ses des Foto­gra­fen zu stüt­zen sein wird, und in die­sen Fäl­len ein Beurteilungs- und damit Irr­tums­ri­si­ko ver­blie­ben. Der nun auch in der Stu­die des BITKOM ver­öf­fent­li­chen Trend, Urlaubs­fo­tos in Sozia­len Medi­en und über Messenger-Dienst zu ver­öf­fent­li­chen, stärkt hier­bei die Posi­ti­on der Foto­gra­fen, da Betrof­fe­ne an »typi­schen Foto­zie­len« ver­nünf­ti­ger Wei­se mit der Ver­öf­fent­li­chung der dort gemach­ten Urlaubs­fo­tos rech­nen müs­sen und die Beur­tei­lung des berech­tig­ten Inter­es­ses zukünf­tig mög­li­cher­wei­se noch häu­fi­ger zu Guns­ten des Urlaubs­fo­to­gra­fen aus­fal­len wird.

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Autor des Arti­kels:

Matthias Herkert

Leiter Fachbereich Consulting und externer Datenschutzbeauftragter
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